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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 11:28 
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Es ist ein großer Unterschied, ob ich zur Abwehr auf meinem eigenen Territorium eine Mauer aufstelle oder auf fremdem Territorium. Und die israelische Doppelmoral ist in vielerlei Hinsicht unerträglich und welche Religion wer da hat, kann nicht das Argument sein.

Eines stimmt natürlich trotzdem, die Berliner Mauer war gegen die eigene Bevölkerung gerichtet, die Mauer in Israel zum Schutz der eigenen Bevölkerung, wobei damit sicher auch vollendete Tatsachen geschaffen werden sollten, was schon weitaus problematischer ist. Es stimmt aber auch, dass sich Israel als einziges demokratisches Land dort unten gegen archaische Strukturen und Systeme von außen wehren muss.

Das Antisemitismustotschlagsargument, wenn man Israel kritisiert, ist aber genauso unerträglich wie die Antirassismuskeule oder die Sexismuskeule oder alles was mit politischer Korrektheit zu tun hat. Da gehts einfach darum, dass man bestimmte Dinge nicht diskutiert haben will und Probleme dadurch löst, indem man deren Benennung verbietet.

Federica, das stimmt schon, dass es das gegeben hat. Slumdog millionaire ist in vielerleich hinsicht realistisch was Indien anlangt, vor allem was die Brutalität im Umgang miteinander anlangt. Aber man muss was die Religionen anlangt das ein bisschen ins Verhältnis setzen. Indien trägt Gegensätze in jeglicher Hinsicht in sich, da sind alle Gegensätze, die wir in Europa haben, geradezu völlig lächerlich und trotzdem ist das Land erstaunlich friedlich. Und Religionskonflikte gibt es natürlich schon, nur ist da der Mechanismus schon anders als bei uns, also die Denkweise: "Gott hat das angeordnet und wir setzen hier Gottes Recht durch" oder soetwas wie "Wir sind Gottes auserwähltes Volk" existiert in der Hindudenkwelt praktisch gar nicht. Es gibt ja nichteinmal einen einheitlichen Hinduismus, frag einfach mal drei Inder deiner Wahl nach ihrem Glauben und da wird dir dann jeder einen anderen erzählen. Und Brahma und Shiva beten vielleicht ein paar intellektuelle Brahmanen an, aber kein Dalit. Und dann gibts neben den von mir beschriebenen Hindus, solche mit monotheistisch externem Gott, polytheistisch externen Göttern, mit Naturglauben und solche, die an Hindugötter und Mohammed und/oder Jesus und oder Mohammed und Buddha oder jede andere denkbare Kombination glauben. Dann gibts die einen, die nur vegetarisch essen, die anderen nicht. Bei einem sind Eier erlaubt, beim anderen nicht, oder eben erlaubt und nur um Dienstag und Donnerstag verboten oder sie sind Vegetarier, außer bei manchen: das Tier wurde von einem Moslem geschlachtet, dann darf man es essen (außer es wurde von einem Dalit berüht, dann wieder nicht). Es existiert also schon im Hinduismus keine einheitliche Lehre und Dogmatik, es glaubt einfach jeder, was er halt glauben will und wenn man dann feststellt, dass das alles kein Mensch versteht und undurchschaubar ist, dann liegt man genau richtig;-)

lg Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 11:48 
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Thomas L00S hat geschrieben:
Es ist ein großer Unterschied, ob ich zur Abwehr auf meinem eigenen Territorium eine Mauer aufstelle oder auf fremdem Territorium.


Auf den kurzen Abschnitten, auf denen der Zaun eine Mauer ist, wäre die Alternative gewesen, die palästinensischen Häuser, aus denen ständig auf Jerusalems Vororte geschossen wurde, per Bulldozer plattzumachen. Was wäre dir lieber gewesen?

Thomas L00S hat geschrieben:
Und die israelische Doppelmoral ist in vielerlei Hinsicht unerträglich


welche Doppelmoral?

Thomas L00S hat geschrieben:
Das Antisemitismustotschlagsargument, wenn man Israel kritisiert, ist aber genauso unerträglich wie die Antirassismuskeule oder die Sexismuskeule oder alles was mit politischer Korrektheit zu tun hat. Da gehts einfach darum, dass man bestimmte Dinge nicht diskutiert haben will und Probleme dadurch löst, indem man deren Benennung verbietet.


Falsch. Man darf Israel sehr wohl kritisieren. Man darf halt nur nicht dabei auf antisemitische Ressentiments zurückgreifen (zB "amerikanische Israel-Lobby" etc.) und doppelte Standards gelten lassen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 13:02 
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AndreasT hat geschrieben:
Ich finde das Foto lustig,
es erinnert mich an Kai Wiedenhöffer, ein Fotograf der sehr viel in Israel und im Gaza streifen unterwegs ist.
Er hat die Mauer da Fotografiert die die Israelis Gebaut haben um die Palästinenser Gebiete.
Er sollte einer Ausstellung hier in Berlin haben und die wurde verboten von ein Politiker weil sie Anti-Semitisch wäre.


Lustig???
Ich finde, man kann vieles über das Foto sagen, wie auch die Debatte in diesem Forum es gezeigt hat, aber nicht dass es "lustig" ist.

Den direkten Vergleich Berliner Mauer / Mauer zwischen Israel und den palestinensischen Gebieten finde ich auch ziemlich daneben. Aber es hat mich ebenso irritiert, dass in dem Artikel über ein Thema, das auch sachlich behandelt werden kann gleich wieder die Antisemitismuskeule geschwungen wird.
Wer die Politik der aktuellen israelischen Regierung kritisiert oder das Verhalten der israelischen Armee gegenüber palestinensischen Zivilisten ist gleich ein Antisemit.
Für mich ist Antisemitismus immer noch Judenhass, Hass gegen ein Volk / eine Religion.
Wenn man die Logik des Artikels zu Ende denkt, wäre jemand, der mit der israelischen Bewegung "Schalom Achschaw" (Frieden jetzt) sympathisiert auch ein Antisemit, weil diese Bewegung den Siedlungsbau kritisiert. Sind aber die Leute von "Schalom Achschaw" nicht etwa auch Juden? Halt welche, die man nicht mögen darf, weil man sich damit als Antisemit outet...?

Danke Thomas für Deine ausführlichen Erklärungen zu der indischen Gesellschaft. Ich will auch da nicht in Vorurteilen verharren. Die Artikeln, die über Indien nach der schrecklichen Vergewaltigung erschienen sind, hatten das Land auch nicht gerade in ein gutes Licht gerückt.

Zum Thema Mauern gab's auch mal in Genf, auch im Rot-Kreuz Museum mal eine Ausstellung zum Thema "Mauern die die Menschen trennen". Acht Mauern wurden in Fotos gezeigt: die zwischen Israel und den palestinenser Gebieten war nur eine davon. Es gab auch die Mauer in Belfast, die Mauer zwischen USA und Mexiko, zwischen Nord- und Südkorea, die Mauer auf Zypern, die von den Spaniern errichteten Mauern um Ceuta und Melilla und noch ein paar mehr. Fotografisch nicht so wertvoll wie die über "Humanity in War", aber eine interessante Dokumentation und eine sehr differenzierte Auseinandersetzung mit den Gründen und den Auswirkungen der Mauern. Nur eins war gemeinsam: vielleicht bedeuten einige Mauern vorübergehend das Gefühl von Sicherheit. Aber echte Normalität wird erst einkehren, wenn diese Mauern, die auch in den Köpfen der Leute sind, fallen werden.
Gruß
Federica

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 13:09 
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Also ehrlich gesagt, der Begriff "amerikanische Israel-Lobby" ist wirklich nicht antisemitisch, es gibt alle möglichen Lobbys, die nicht wollen, dass man sie als solche benennt. Ist ja kein israelspezifisches Phänomen. Lobbyismus ist ja an sich auch nicht unanständig, aber leider wollen Lobbyisten nie zugeben, dass sie welche sind. Und ich muss ehrlich sagen: wenn man bei uns so frei diskutieren würde, wie das auch in Israel üblich ist (was für Israel spricht), dann schwingt schnell einer die Antisemitismusautomatik.

Das mit der Doppelmoral ist recht einfach erklärt. Wenn man sich selbst immer auf Rechte beruft, die man hat, wenn es um die eigenen geht, aber gleichzeitig die Rechte missachtet, wenn es um andere geht, dann ist das Doppelmoral. Und vom Siedlungsbau angefangen bis zu den Annexionen ist das nunmal alles völkerrechtswidrig was Israel tut, und gerade beim Siedlungsbau ist die Verletzung internationalen Rechts massiv. Wenn man sagen würde: "Wir sind militärisch stärker und nehmen uns was wir erobert haben", dann gefällt mir das nicht, aber es wäre ehrlich. Wenn man da aber mit Recht daherkommt, dann ziehts einem die Patschn aus.

Die Mauer oder sonst der Zaun ist eh ein Musterbeispiel dafür. Der IGH sieht sie, wie eigentlich die ganze Welt, als völkerrechtswidrig an, muss man ja auch einmal sagen, beim israelischen Supreme Court ist sie mit Ach und Krach durchgegangen und er hält sie für erlaubt, aber auch nicht so wie von der Regierung geplant und nur unter gewissen Voraussetzungen.

Das spricht zwar für den israelischen Rechtsstaat, aber auch dafür, dass die Politik halt zumindest intentional gegen internationales, aber auch gegen israelisches Recht handelt und man Gerichte braucht, damit das wenigstens nicht ausartet:

"Regarding the state's struggle against the terror that rises up against it, we are convinced that at the end of the day, a struggle according to the law will strengthen her power and her spirit. There is no security without law. Satisfying the provisions of the law is an aspect of national security. I discussed this point in HCJ 5100/94 The Public Committee against Torture in Israel v. The Government of Israel, at 845:

We are aware that this decision does make it easier to deal with that reality. This is the destiny of a democracy-she does not see all means as acceptable, and the ways of her enemies are not always open before her. A democracy must sometimes fight with one arm tied behind her back. Even so, a democracy has the upper hand. The rule of law and individual liberties constitute an important aspect of her security stance. At the end of the day, they strengthen her spirit and this strength allows her to overcome her difficulties.

That goes for this case as well. Only a Separation Fence built on a base of law will grant security to the state and its citizens. Only a separation route based on the path of law will lead the state to the security so yearned for.

The result is that we reject the petition against order no. Tav/105/03. We accept the petition against orders Tav/104/03, Tav/103/03, Tav/84/03 (western part), Tav/107/03, Tav/108/03, Tav/109/03, and Tav/110/03 (to the extent that it applies to the lands of Beit Daku), meaning that these orders are nullified, since their injury to the local inhabitants is disproportionate."


(HCJ 2056/04 Beit Sourik Village Council v.
1. The Government of Israel
2. Commander of the IDF Forces in the West Bank)

Das ist zwar anders als der IGH aber doch eine wohltuende Watschn gegen die Doppelmoral gewesen. Ähnlich wie damals die Guantanamo Judikatur des US-Supreme Court gegen Bush und Co.

Und ich meine, es gibt eine Reihe von UN Resolutionen, sogar solche des Sicherheitsrats mit Zustimmung der USA, die von Israel nichteinmal ignoriert werden. Und warum das in Ordnung sein soll und bei anderen nicht in Ordnung sein soll, ist nicht zu begründen. Es ist Doppelmoral, wenn man an andere so hohe Maßstäbe legt und selbst als Verteidiger von Rechtsstaatlichkeit auftritt, aber dann gleichzeitig diese Werte nur nach Belieben beachtet.

Und ich meine: die jüdischen Vororte in Ostjerusalem darf man sicherlich nicht beschießen, aber man sollte dazusagen, dass diese kriegsvölkerrechtswidrig errichtet wurden.....

Gruß
Tom

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 13:22 
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Federica hat geschrieben:
Danke Thomas für Deine ausführlichen Erklärungen zu der indischen Gesellschaft. Ich will auch da nicht in Vorurteilen verharren. Die Artikeln, die über Indien nach der schrecklichen Vergewaltigung erschienen sind, hatten das Land auch nicht gerade in ein gutes Licht gerückt.
Federica


Die Berichte sind leider ziemlich realistisch. Solche Vergewaltigungen passieren jeden Tag und sind in Indien normal. Nur wurde Indien bisher nie kritisiert dafür, weil Indien halt wirtschaftlich bedeutsam ist und von einer indischen Gesellschaft kaum internationaler Terrorismus ausgehen kann, schon gar kein religiöser. Deshalb halten halt alle den Mund. Bevor das passiert ist, ist es mir passiert, dass mir jemand unterstellt hat, ich hätte rassistische Vorurteile gegen Inder, weil ich mal behauptet habe, in Indien wird jeden Tag vergewaltigt. So und jetzt weiß es jeder. Es weiß auch dort jeder, es ist kein Geheimnis, es ist ein Tabu.

Nur muss man aufpassen, das durch die europäische feministische Brille zu betrachten, so simpel ist das nicht. Die Rolle der Frau ist eingebettet in das Kastensystem und man kann das nur im ganzen sehen. Die indische Gesellschaft ist im Umgang miteinander generell ziemlich rücksichtslos, was soziale Rücksicht anlangt jedenfalls. Die Rolle der Frauen ist auch je nach Kastenzugehörigkeit wiederum nicht gleich (bei Brahmanen ist der Unterschied zwischen Frau und Mann größer als bei Dalits z.B.). Das wird nur die indische Gesellschaft und ihre Eliten selbst lösen können das Problem, es ist ja die neue Mittelschicht, die sich dagegen am meisten wehrt und das ist gut so. Hier muss man auch sagen, dass die Wirtschaftsliberalisierung durchaus stark hilft, diese alten Strukturen aufzubrechen, also wenn das wer generell verteufelt, dann ist das auch falsch.

lg Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 13:31 
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@ ThomasLoos 1

Ja es ist bei der Besiedlung einiges danebengeganngen, und die geteilt dargestellten Bereich des Landes haben sich sein den 60ern bis heute in den Nachrichtengrafiken so dramatisch geändert wie die Packeislinie vom Polarkreis.
Ich kann den Konflikt leider nicht lösen , aber die Vorgänge welche sich dort und auch anderstwo ereignen kann ich duchaus für mich als nicht-zukunftsweisent werten.

@ ThomasLoos 2

Nicht erst seit der indischen Vergewaltigungsmitteilung habe ich das mogalische-gesellschftliche-und religiöse System der Inder abgelehnt. - Es ist Massenmanipulation alles Befölkerungsanteile auf eine so offendsichtliche Ebene das es einen die Fußnägel hochzieht. Kein Wunder das Orvell nach seinen Indienaufenhhalt nur soches Dinger wie 1984 schreiben konnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 13:39 
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Thomas L00S hat geschrieben:
Also ehrlich gesagt, der Begriff "amerikanische Israel-Lobby" ist wirklich nicht antisemitisch,


doch, denn es handelt sich eben auch nur um eine Variante hiervon: http://en.wikipedia.org/wiki/Zionist_Oc ... Government

Thomas L00S hat geschrieben:
Und ich muss ehrlich sagen: wenn man bei uns so frei diskutieren würde, wie das auch in Israel üblich ist (was für Israel spricht), dann schwingt schnell einer die Antisemitismusautomatik.


Ja, leider. Darüber hinaus gibt es hier, speziell in der Linken, (in D weniger als zB im traditionell araberfreundlichen Frankreich oder in Schweden, das ein massives Antisemitismusproblem hat) aber eben auch eindeutig antisemitische "Kritik"muster, die so in Israel eher nicht auftauchen.

Thomas L00S hat geschrieben:
Das mit der Doppelmoral ist recht einfach erklärt. Wenn man sich selbst immer auf Rechte beruft, die man hat, wenn es um die eigenen geht, aber gleichzeitig die Rechte missachtet, wenn es um andere geht, dann ist das Doppelmoral.


Es ist in erster Linie Selbstschutz gegen einen Gegner, der sich um irgendwelche legalistischen Argumentationen nicht schert, sondern einzig und allein an der Auslöschung Israels interessiert ist. Wenn der Nachbar halt kein netter ist, dann kann man dem eben auch nicht so begegnen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 14:01 
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Zitat:
Ja, leider. Darüber hinaus gibt es hier, speziell in der Linken, (in D weniger als zB im traditionell araberfreundlichen Frankreich oder in Schweden, das ein massives Antisemitismusproblem hat) aber eben auch eindeutig antisemitische "Kritik"muster, die so in Israel eher nicht auftauchen.


Da stimme ich zum Teil sogar zu, aber man darf dann eben auch nicht automatisch jede Kritik vorschnell in diese Ecke stellen.

Zitat:
Es ist in erster Linie Selbstschutz gegen einen Gegner, der sich um irgendwelche legalistischen Argumentationen nicht schert, sondern einzig und allein an der Auslöschung Israels interessiert ist. Wenn der Nachbar halt kein netter ist, dann kann man dem eben auch nicht so begegnen.


Naja es dient weniger dem Selbstschutz als seiner eigenen moralischen Diskreditierung. Unrecht nicht mit Unrecht zu beantworten ist genau das, was einen Rechtsstaat von einem anderen Staat unterscheidet. Sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzen ist etwas anderes als es mit Unrecht zu vergelten. Wenn man behauptet ein Rechtsstaat zu sein, dann fordert, die anderen sollen es auch werden und sich selbst aber dann nicht dran hält, dann diskreditiert man sich selbst.

Da gabs in der Entscheidung des US-Supreme court Hamdi vs. Rumsfeld den Satz: "It would indeed be ironic if in the name of national defense, we would sanction the subversion of one of those liberties which make the defense of the nation worthwhile."...und das trifft genau den Punkt. Eine wunderbare Aussage

lg Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 14:13 
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Rob hat geschrieben:
@ ThomasLoos 1

Ja es ist bei der Besiedlung einiges danebengeganngen, und die geteilt dargestellten Bereich des Landes haben sich sein den 60ern bis heute in den Nachrichtengrafiken so dramatisch geändert wie die Packeislinie vom Polarkreis.
Ich kann den Konflikt leider nicht lösen , aber die Vorgänge welche sich dort und auch anderstwo ereignen kann ich duchaus für mich als nicht-zukunftsweisent werten.

@ ThomasLoos 2

Nicht erst seit der indischen Vergewaltigungsmitteilung habe ich das mogalische-gesellschftliche-und religiöse System der Inder abgelehnt. - Es ist Massenmanipulation alles Befölkerungsanteile auf eine so offendsichtliche Ebene das es einen die Fußnägel hochzieht. Kein Wunder das Orvell nach seinen Indienaufenhhalt nur soches Dinger wie 1984 schreiben konnte.


Tja, manche werden verrückt, wenn sie aus Indien zurückkommen :mrgreen: - es ist aber nicht so, dass das eine Massenmanipulation wäre. Es ist so, weil es so ist, weil es so ist. Darüber haben ja schon die englischen Kolonisatoren geschrieben, dass sie die indische Gesellschaft nicht durchschauen..... Das hat halt mehrere Seiten. Es ist dafür normal zu sterben. Es wundert sich niemand, dass ärmere Leute in Varanasi betteln, damit sie sich für ihre eigene Verbrennung besseres Holz kaufen können. Oder in welchem Land freut sich jemand, wenn er am Biss einer Königskobra sterben darf, weil er dann direkt ins Nirvana kommt und das Glück hat nicht wiedergeboren zu werden....

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 15:34 
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Rob hat geschrieben:
Nicht erst seit der indischen Vergewaltigungsmitteilung habe ich das mogalische-gesellschftliche-und religiöse System der Inder abgelehnt. - Es ist Massenmanipulation alles Befölkerungsanteile auf eine so offendsichtliche Ebene das es einen die Fußnägel hochzieht. Kein Wunder das Orvell nach seinen Indienaufenhhalt nur soches Dinger wie 1984 schreiben konnte.


Ich hatte ein negatives Indienbild aus meiner Kindheit und das kam von dem Buch von Jules Vernes "80 Tage um die Welt", wo eine Wittwe verbrannt werden soll. Vor ein paar Jahren habe ich den indischen Film "Water" gesehen, wo Wittwen zwar nicht verbrannt werden, aber wo sie wie Aussätzige behandelt werden, eingesperrt leben und weder lachen noch Süßigkeiten essen dürfen. Es ist auch besonders erschütternd, weil es sich in dem Film um ein kleines Mädchen handelt, das ihren Ehemann noch nicht einmal gekannt hatte und das weinend von dessen eigenen Eltern in ein "Wittwenhaus" abgeschoben wird (werden musste?). Der Film spielt zu Ghandis Zeiten aber endet mit dem Hinweis, dass es auch im heutigen Indien Millionen von Wittwen gibt, die mehr oder weniger am Rande der Gesellschaft leben müssen.
Beim Kastensystem hatte ich mal geglaubt zu verstehen, dass es zumindest von Rechts wegen seit der Unabhängigkeit nicht mehr besteht.
Dann habe ich mal die Nachricht gelesen, dass irgendwo auf dem Land ein Junge und ein Mädchen, beide 15 Jahre alt, vor dem Dorfeingang aufgehängt wurden, weil sie sich geliebt hatten obwohl sie unterschiedlichen Kasten angehörten. Dass die Kasten aus den Köpfen der Leute nicht von heute auf morgen verschwinden werden, ist klar. Aber in diesem Fall wäre es wichtig, dass diejenigen die die Jugendlichen aufgehängt haben, verfolgt und angemessen bestraft werden. Ob es geschehen ist, habe ich nie erfahren.

@ Thomas
Dass die Liberalisierung in diesem Zusammnhang durchaus eine positive Rolle spielen kann, da gebe ich Dir sofort recht.


Gruß
Federica

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 04.02.2013, 16:36 
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Ja das ist so und immer noch verbreitet. Das Kastensystem ist eine der ältesten Gesellschaftsordnungen der Welt und man muss ja sagen, dass bisher Reformströmungen, die aus der indischen Gesellschaft gekommen sind oder hineingetragen wurden, ziemlich versagt haben. Also Christentum und Islam, die eigentlich von der Lehre das Kastenwesen ablehnen, sind in Indien großteils ins Kastenwesen eingegliedert (in Pakistan ist das indische Kastenwesen stärker zurückgedrängt, aber auch noch präsent und die soziale Rücksichtnahme höher, die haben dafür andere Probleme) und der Buddhismus, der ja aus dem Hinduismus als Reformbewegung hervorging, wurde aus Indien großteils verdrängt. Also das Kastenwesen ist unglaublich zäh, sonst hätte es sich nicht ein paar Tausend Jahre lang gehalten

Nach indischem Recht ist es natürlich verboten, schon klar. Es wird auch was getan, zunehmend mehr, aber trotzdem ist die Autorität der Tradition sehr hoch. Wenn irgendwo am Land das Dorfpanchayat (5er Ältestenrat) einen Beschluss fasst, dann hat das faktisch einfach eine hohe Autorität, egal wie dumm und gesetzwidrig das ist.

lg Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 05.02.2013, 12:18 
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Es ist wie es ist, schon klar, und dieses Faktum ist völlig wahr. Nur leider, wie du weiterschreibst kommen de eben weitere "hinduistische" Faktoren dazu, Vielgötterglaube, die Nirvanavorstellung und das Kastensystem, wie du selbst sagst die ÄLTESTE Gesellschaftsform.
Wenn also das Kastensystem schon so alt ist gibts sicher auch etwas moderneres oder ?
Also wenn irgendein Guru aus einem Dorfrat mehr Einfluss auf das Massenverhalten haben kann als die UNO selbst, dann ist das schon betrüblich. Dann nämlich ist ein Guru das gleiche wie ein Mulla der zur Sharia aufruft.

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 06.02.2013, 13:05 
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Thomas L00S hat geschrieben:
Das Antisemitismustotschlagsargument


hierzu in der heutigen NZZ: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/das-g ... 1.17984155

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 06.02.2013, 14:24 
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Hab mich in Facebook schon dazu geäußert

Man kann soetwas nicht beweiskräftig argumentieren ohne vorher unabhängig davon begründet zu haben, weshalb Antizionismus oder Antiisraelismus = Antisemitismus ist. Sonst setzt man nämlich die These voraus, die man beweisen will und das ist wertlos. Weil aber derartige Zirkelschlüsse in sich trotzdem logisch sind, kann man sich damit gleichzeitig gegen Kritik immunisieren.

Ist keine israelspezifische Eigenheit (Gender Mainstreaming hat sich überall durchgesetzt und dort sind Zirkelschlüsse sogar wissenschaftlich anerkannt und völlig normal - und keiner traut sich pseudowissenschaftliche Argumentationen dort anzugreifen), nur wirds dadurch auch nicht besser.

lg Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Neulich in Jerusalem
BeitragVerfasst: 06.02.2013, 14:38 
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Thomas L00S hat geschrieben:
Ist keine israelspezifische Eigenheit (Gender Mainstreaming hat sich überall durchgesetzt und dort sind Zirkelschlüsse sogar wissenschaftlich anerkannt und völlig normal - und keiner traut sich pseudowissenschaftliche Argumentationen dort anzugreifen), nur wirds dadurch auch nicht besser.


oh doch, da gabs was sehr lustiges in Norwegen (aber das ist jetzt schon sehr off topic):

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 99907.html

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