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 Betreff des Beitrags: Pinhole Kamera 6x9: schnell, gut und schön
BeitragVerfasst: 22.01.2008, 01:59 

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Hi,

nun bin ich auch ein Linsenfreier! Auf die einfache, aber ansehnliche Art. Man nehme einen alten Falter, idealerweise 6x9, dessen Linse nicht mehr mag, dessen Balgen dicht ist und der die langen Belichtungszeiten (1s) noch bringt. In meinem Fall eine Billy Record mit dem Apotar, bei dem der Fungus übel zugeschlagen hat (Schnüff!). Die Linsen rausschrauben, die vordere Kombination vom Glas befreien (fiese Sache, mit 'nem Hammer in ein Objektiv zu schlagen, ehrlich), passende Sperrholzscheibe zusägen und einkleben. Bis hierhin: ca. 30 min (Linsen rausschlagen hat länger gedauert von wegen der Splitter...).

Pinhole: aus dem Blech eines Teelichtes, das liebevoll platt gedrückt wurde. Kann man auch noch dünner schleifen, aber mir reichte es erstmal. Loch mit der Spitze einer Düsenreibahle produziert. Das gibt saubere runde Löcher ohne Grat, zumindest im Teelicht-Blech. Nochmal 1,5 Stunden für vier Löcher mit Vermessung mittels Vergrösserer.

Entsprechend der Pinhole-Rechner im Internet sollte das 0,4 mm Loch passen. Also noch ein Loch in die Sperrholzscheibe produziert und mittig das Stückchen Blech mit Pinhole aufgeklebt. Ein passendes Stück schwarzes Leder deckt das Sperrholz ab (natürlich nicht das Pinhole...). Weitere 30 min sind vergangen.

Fertig ist die Pinhole 6x9, Bastelzeit 2,5 Stunden (hab mir Zeit gelassen). Die ersten Negative warten auf die nächste Duka-Session. Dann gibt es Abzüge.

Fazit: der Bau der Kamera war maximal einfach, man kann mit Rollfilm loslegen und hat annehmbare Belichtungszeiten (ca. 1 sec bei sehr gutem Licht) und einen funktionierenden Verschluss. Die Kamera ist gut zu transportieren (Falter halt!), nur ohne Stativ geht halt nicht viel.

Eine alte Kamera zu schänden liegt mir normalerweise nicht. Aber eine alte Kamera mit schrottigem Objektiv wird so wieder zu etwas Benutzbarem. Gerade die verchromten und schwarz emaillierten Billy Records (Luxusversion) sind ein Hingucker. Aber auch die einfachen Falter, die man in der elektrischen Bucht schon für 10-15 Euro schiessen kann reichen völlig aus. Für das Geld muss man erstmal ein Gehäuse mit Rollfilm-Spulvorrichtung basteln...

Und man muss die Linsen ja nicht schlachten, mit etwas mehr Aufwand kann man einen Pinhole-Einsatz auch als Zusatz produzieren.

CIAO
Wolfgang


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BeitragVerfasst: 22.03.2008, 12:36 
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und schon ergebnisse vorzuweisen ? täte mich stark interessieren :)

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BeitragVerfasst: 08.11.2008, 02:39 

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Hi,

lang ist's her, dass ich über den schnellen Bau einer schönen Pinhole-Kamera schrieb. Liegt daran, dass ich immer etwas länger zum Nachdenken brauche. Denn: die Kamera ist zwar ein echter Hingucker, aber die Bilder sind übermässig unscharf. Der Vergleich mit Bildern, die andere Leute mit 'ner Zero 2000 gemacht und ins Netz gestellt haben ergab, dass meine Kamera deutlich schlechtere Bilder lieferte.

Was kein Wunder ist, wenn man mal auf die Brennweiten anderer Konstruktionen schaut: 25mm, 30mm, 40mm, maximal 50mm hab ich gesehen, und das auf Rollfilm, also Mörder-Weitwinkel. Die alten Falter im 6x9 Format sind auf Normalbrennweite (105mm) ausgelegt, und danach habe ich logischerweise auch das Pinhole dimensioniert, 0.4 mm. Die Zero 2000 arbeitet mit 0.18 mm, was natürlich deutlich schärfere Bilder liefert. Nun ist auch klar, warum der Umbau einer Agfa Clack mit ihren ca. 80 mm Brennweite noch besser geeignet ist als ein alter 6x9 Falter.

Ergo: einen alten Falter zu Pinhole umzubauen mag Sinn bringen, wenn man mit Farbe arbeitet oder die Unschärfe künstlerisch einsetzen will. Nicht zu vergessen auch die relativ kurzen Belichtungszeiten (halbe Sekunde mit HP5 bei gutem Licht). Auf B/W jedoch sind die Bilder sehr matschig. Ich hab noch nicht versucht die Brennweite zu verkürzen (kürzerer Balgenauszug). Probieren werd ich es vielleicht, aber es ist mit deutlichem Aufwand verbunden und sprengt daher die einfach-Anleitung.

Die Bildschärfe der Pinhole Kamera hängt direkt vom Lochdurchmesser ab, dass ausschliesslich von der Brennweite abhängt, und das nicht linear, sondern in einer Wurzelfunktion. Will man also scharfe Bilder, dann muss man mit kurzen Brennweiten arbeiten und/oder mit grossen Negativformaten, denn: Wurzelfunktion heisst, dass bei grossem Anstieg der Brennweite der Lochdurchmesser nicht in gleichem Mass ansteigt. Bei gleichem Verhältnis Filmformat zu Brennweite ist das grössere Negativ also im Vorteil, weil der Lochdurchmesser zwar absolut grösser, aber in geringem Mass angestiegen ist. Das ein grösseres Format für gleiche Positivgrösse geringer vergrössert werden muss, steigert den Schärfegrad.

Brennweiten bis 40mm sind bei Rollfilm 6x9 anscheinend ein guter Wert. Ich bastel mir gerade eine (einfache) Holzbox für Planfilmkassetten 4x5 und einer Brennweite von 50 und 70mm. Und gerade hab ich in der elektrischen Bucht eine Planfilmkassette 8x10 für 8 Euro erstanden. Mal schaun was ich da draus mache... 150mm Brennweite und ein 0.45mm Pinhole vielleicht... wird dann genauso scharf wie meine Bilder mit meinem Alten Falter, allerdings 8 mal grösser... cool.

Ergo: Nachdenken ist nur durch mehr Nachdenken zu ersetzen. Wie schön dass man Erkenntnisse beim Pinholen direkt umsetzen kann. Pinhole bringt Bock.

CIAO
Wolfgang


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